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Lehrsammlungen, Belegsammlungen – Institut für Geowissenschaften
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Ein "Rhätizit"

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Maße

8 x 6 x 3 cm

Material

Kyanit

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Ein "Rhätizit"

© Sascha Staubach

Steinreich – und dann?

von Sascha Staubach

Spenden für die geowissenschaftlichen Sammlungen

Am Anfang ist meist ein Stein.  Er hat eine ungewöhnliche Farbe, eine seltsame Form, er sticht unter allen anderen hervor. Man steckt ihn ein und nimmt ihn mit. So beginnt die Sammelleidenschaft vieler Menschen für Gesteine, Mineralien und Fossilien. Und Sammlungen wachsen; meist ein Leben lang. Aber irgendwann geht es nicht mehr und man macht sich Gedanken über die Zukunft dieser Sammlung. Wohin damit, wenn sich der, oder die Sammelnde darum nicht mehr kümmern möchte, oder kann?

Immer mal wieder erreichen uns Nachrichten von Personen, die ihre Gesteins-, Fossilien, oder Mineraliensammlung der Universität spenden möchten. Dies reicht von Obstkisten mit einer bunten Mischung aus vergangenen Urlauben bis zu sauber eingeordneten und detailliert dokumentierten Spezialsammlungen. Über alle freuen wir uns sehr und nehmen sie gerne an.

Da unser Platz aber naturgemäß begrenzt ist, müssen wir im Anschluss entsprechend selektieren und sortieren, um zu schauen, für welche weitere Verwendung die Stücke geeignet sind. Die studentischen Übungssammlungen und der sog. „Kratzkurs“ für die Erstsemester brauchen immer wieder frisches Material. Seltenere und höherwertige Stücke finden Eingang in die Beleg- und Forschungssammlung, oder auch in die Ausstellungs- und Lehrvitrinen im Geozentrum.

Den aktuellen Neuzugang einer kleinen, aber feinen systematischen Mineraliensammlung einer Spenderin möchte ich zum Anlass nehmen mich bei dieser Dame, die anonym bleiben möchte, stellvertretend für alle anderen Spenderinnen und Spender zu bedanken.

Bei diesem Neuzugang handelt es sich um eine sehr gepflegte und bestens dokumentierte Systematiksammlung. D.h. es wurde darauf geachtet möglichst aus jeder Mineralgruppe der STRUNZ`schen Systematik (die gängige Gruppierung von Mineralen nach ihrer chemischen Zusammensetzung und Struktur), möglichst ein typisches Exemplar zu besitzen. Jedes der Stücke ist durchnummeriert und die dazu gehörenden Informationen wie Name und Fundort fein säuberlich auf Karteikarten vermerkt. Zugeordnet sind ebenfalls noch vorhandene Verkaufsetiketten, bzw. Sammlungsetiketten ehemaliger Besitzer. Dies ist außergewöhnlich und erleichtert nicht nur die Eingliederung in die bestehende Sammlung. Man spürt auch mit welcher Leidenschaft, Akribie und Sachkenntnis hier gesammelt wurde.

Darum noch einmal Danke an alle Spenderinnen und Spender für ihre Unterstützung von Lehre, Forschung und dem Wunsch die kleinen Schönheiten der Erde auch zukünftigen Generationen zugänglich zu machen.

Ein schönes Beispielobjekt mit einer interessanten Geschichte verbirgt sich beispielsweise hinter Katalognummer 300 aus der erwähnten Sammlung.  Das Etikett besagt: Rhätizit vom Fundort Kematen, Pfitschertal, Südtirol. Von der Spenderin erworben am 12.6.1977 auf einer Mineralienbörse in Sterzing von einem Sammler aus Innsbruck.

Der Name Rhätizit gibt zunächst Rätsel auf, da er nicht mehr gebräuchlich ist. Ursprünglich ging man davon aus, dass Rhätizit ein eigenständiges Mineral und chemisches Bindeglied zwischen den Mineralen Tremolit und Kyanit sei. Erst mit Hilfe moderner Analytik konnte belegt werden, dass es sich tatsächlich nur um eine farblose Varietät von Kyanit handelt. Letzterer tritt normalerweise als im Gestein eingewachsene Cyan blaue Leisten auf, woher auch sein Name rührt. In dem vorliegenden Stück jedoch sind die Kristalle farblos, was sehr ungewöhnlich und selten ist.

Die Verwendung des veralteten Namens, sowie der Umstand, dass das Vorkommen in Kematen als schon seit langem als erloschen gilt legt die Vermutung nahe, dass der eigentliche Fundzeitpunkt noch deutlich weiter in der Vergangenheit liegt, als der Kauf 1977. Vermutlich sogar in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Dieser Text ist im Rahmen der Kategorie "Objekt des Moments" des Newsletters "Leporello" der Sammlungskoordination und Universitätssammlungen an der Goethe-Universität entstanden.

 

 

Sascha Staubach ist Geologe im Dekanat des Fachbereichs 11 Geowissenschaften/Geographie (der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und kümmert sich dort u.A. um die Öffentlichkeitsarbeit.

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Über die Plattform


Entstehungskontext der Plattform

Die Plattform wurde von der Studiengruppe "sammeln, ordnen, darstellen" am Forschungszentrum für Historische Geisteswissenschaften entwickelt und im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der Goethe-Universität im Jahr 2014 eröffnet. Ihr Aufbau war eng mit der Ausstellung „Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität“ verknüpft, die von Oktober 2014 bis Februar 2015 im Museum Giersch der Goethe-Universität zu sehen war. Viele der Objekterzählungen waren auch in der Ausstellung zu lesen und sind im Katalog abgedruckt worden; viele Ausstellungstexte haben wiederum den Weg in die Plattform gefunden. Ebenso wurden die auf der Plattform gezeigten Filme sowie viele der Fotografien eigens für die Ausstellung produziert.

Leitung der Studiengruppe und Herausgabe der Plattform

Dr. Judith Blume (heute: Koordinatorin der Sammlungen an der Goethe-Universität)
Dr. Vera Hierholzer (bis 2018; heute: Direktorin des Museums für Industriekultur in Osnabrück)
Dr. Lisa Regazzoni (bis 2020; heute: Professur für Theorie der Geschichte an der Universität Bielefeld)

Betreuung der Plattform

Sammlungskoordination der Goethe-Universität
Universitätsbibliothek Johann-Christian-Senckenberg
sammlungen@uni-frankfurt.de

Programmierung

Sven Winnefeld
www.winkin-verlag.de

Design

FGS Kommunikation – Steffen Grzybek, Martin Schulz GbR
www.fgs-kommunikation.de

Developed By

Jatinkumar Nakrani
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Team der Jubiläumsausstellung "Ich sehe wunderbare Dinge. 100 Jahre Sammlungen der Goethe-Universität" von 2014

Dr. Charlotte Trümpler (Projektleitung und Kuratorin; Autorenkürzel: CT)
Dr. Judith Blume (Kuratorin, Autorenkürzel: JB)
Dr. Vera Hierholzer (Kuratorin, Autorenkürzel: VH)
Dr. Lisa Regazzoni (wissenschaftliche Mitarbeit, Autorenkürzel: LR)

Fotografien

Die Fotografien wurden von den einzelnen Sammlungen oder Autoren zur Verfügung gestellt sowie von Tom Stern (Sammlungsräume und Objekte), Uwe Dettmar (Objekte) und Jürgen Lechner (Objekte) angefertigt. Die Nachweise finden Sie bei den entsprechenden Abbildungen. Sollte trotz sorgfältiger Recherche ein Rechteinhaber oder Fotograf nicht genannt sein, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis.

Filmproduktion

Sophie Edschmidt (Regie und Schnitt)
Philipp Kehm (Kamera)
Philipp Gebbe (Musik)
Dr. Charlotte Trümpler (Idee und Beratung)

Finanzierung